Eine persönliche Geschichte über Konflikte, wie sie entstehen, über Ohnmacht – und den Weg zur Klarheit.
Hinweis: Dieser Beitrag wurde erstmals im Mai 2017 veröffentlicht und zuletzt im Juli 2025 aktualisiert und ergänzt.
1. Wenn plötzlich nichts mehr stimmt
Vielleicht kennst du das Gefühl: Alles scheint gut zu laufen. Du bist Teil einer Gruppe, in der du dich sicher fühlst. Menschen, die du magst, mit denen du lernst, arbeitest, vielleicht auch lachst. Eine gute Energie. Ein Miteinander auf Augenhöhe.
So war es bei mir.
Ich war Teil einer Ausbildungsgruppe, lauter kluge, reflektierte Menschen, viele mit Lebenserfahrung. Ich schätzte jede:n Einzelne:n. Wir funktionierten gut. Dachte ich.
Doch dann veränderte sich in einer Ausbildungswoche etwas.
Erst waren es nur feine Irritationen. Blicke. Andeutungen. Gespräche hinter verschlossenen Türen. Eine Spannung lag in der Luft, ohne dass jemand sie benannte.
Am letzten Tag, in der Abschlussrunde, kam es zum Eklat.
Plötzlich brach alles hervor.
Beschuldigungen. Unterstellungen. Eine Teilnehmerin geriet unter Druck. Die Leitung versuchte, einzugreifen, erfolglos. Manche schüttelten nur noch den Kopf und verließen den Raum. Die Runde endete im Chaos.
Ich fuhr nach Hause, fassungslos, seltsam leer, voller Fragen:
Was war da passiert? Wie konnte es so weit kommen – ausgerechnet in dieser Gruppe?
2. Was genau ist da passiert?
Vielleicht hast du Ähnliches erlebt.
Eine Gruppe, in der du dich sicher fühlst, bis es kippt.
Wo plötzlich alles, was unausgesprochen geblieben ist, auf einmal in voller Wucht explodiert.
Oft beginnt es ganz leise:
Ein Schweigen. Ein Kommentar, der hängen bleibt. Gespräche in kleinen Kreisen.
Die Stimmung verändert sich, aber niemand spricht es aus.
Man funktioniert weiter, bis man nicht mehr kann.
Das ist typisch für Gruppenkonflikte. Die Spannung wächst im Untergrund. Und je länger sie dort gärt, desto heftiger entlädt sie sich irgendwann. Was aussieht wie ein plötzlicher Ausbruch, ist oft das Ergebnis eines langen Prozesses.
Und wenn dann niemand da ist, der den Raum halten kann – die Dinge benennen, sichtbar machen, moderieren – dann eskaliert es. So war es auch bei uns.
3. Warum ich so machtlos war
Ich hatte schon damals Erfahrung mit Kommunikation. Ich versuchte, mit Einzelnen zu sprechen, Brücken zu bauen.
Aber es half nichts.
Ich wusste schlicht nicht, womit ich es zu tun hatte.
Mir war nicht klar, dass Gruppenkonflikte anderen Gesetzmäßigkeiten folgen als Konflikte zwischen zwei Personen. Ich verstand nicht, wie tief Tabus, Loyalitäten und unausgesprochene Machtverhältnisse wirken können.
Und ich erkannte viel zu spät, dass die Leitung selbst Teil des Problems war und gleichzeitig den Raum kontrollierte.
Eine wirkliche Klärung wäre nur mit ihrer Beteiligung möglich gewesen.
Aber die fand nicht statt. Und als Teilnehmende:r kannst du das nicht einfordern.
Also blieb alles, wie es war. Und irgendwann: endete es.
4. Der Wendepunkt: Lernen, Verstehen, Heilen
Zwei Jahre später: neue Ausbildung, neue Gruppe. Alles gut. Dachte ich.
Bis eine scheinbar harmlose Übung mich völlig aus der Bahn warf.
Ich wollte nur noch weg.
Weg aus der Gruppe, raus aus der Situation, am liebsten ganz verschwinden.
Zum Glück war da eine Gruppenleitung, die nicht nur bemerkte, was mit mir los war – sondern auch wusste, wie sie mich ansprechen konnte.
„Haben Sie einmal eine negative Gruppenerfahrung gemacht?“, fragte sie.
Und plötzlich verstand ich: Ich bin nicht hier – ich bin zurück im damals.
Das war der Moment, der alles veränderte.
Ich begann, meine Geschichte aufzuarbeiten – mit Unterstützung. In einer Konfliktberatung bekam ich nicht nur Raum für meine Gefühle, sondern auch Erklärungen, Zusammenhänge, Struktur.
Ich verstand, warum alles so gekommen war. Und ich verstand mich selbst besser.
5. Was ich aus dieser Erfahrung heute weitergeben möchte
Diese Erfahrung war schmerzhaft – aber sie war der Ausgangspunkt für alles, was ich heute tue.
Heute begleite ich Menschen, Teams und Gruppen durch konflikthafte Situationen. Und ich bringe das Wissen mit, das ich mir durch eigene Erfahrung – und durch fundierte Ausbildungen – angeeignet habe.
Was mir wichtig geworden ist:
- Es gibt wiederkehrende Gesetzmäßigkeiten in Konflikten: Eskalationsstufen, Teufelskreise, emotionale Reaktionen, Strategien. Darüber etwas zu wissen, hilft. Aber das Wichtigste ist und bleibt: jede Situation wieder neu und individuell anzuschauen und das ganze Puzzle zusammenzusetzen: die Vorgeschichte, die Individuen, die Gesamtsituation, alle Sichtweisen, auch das, was „eigentlich“ nicht ausgesprochen werden darf.
-
Manche Verletzungen heilen nicht von selbst. Sie brauchen Raum, Zeit und bewusste Verarbeitung.
-
Eine Gruppe ist ein System. Was unausgesprochen bleibt, wirkt. Und wenn ein Thema tabu ist, sucht es sich einen anderen Weg.
-
In hierarchischen Situationen kommt es auf die Leitung an. Wenn Leitung nicht reflektiert oder nicht handlungsfähig ist, braucht es Impulse von außen.
-
Konflikte sind kein Zeichen von Scheitern. Sie sind ein natürlicher Teil von Entwicklung. Der Unterschied liegt im Umgang.
Und vor allem:
Du musst nicht alles allein tragen.
6. Und du? Deine Konflikterfahrung ernst nehmen
Vielleicht gibt es auch in deinem Leben eine Situation, die dich noch beschäftigt.
Ein Konflikt, der nicht geklärt wurde. Eine Gruppe, in der du dich fremd gefühlt hast.
Ein Moment, in dem du hättest sprechen wollen, aber geschwiegen hast.
Manche Erfahrungen bleiben als Echo zurück.
Nicht immer laut, aber spürbar.
Vielleicht ist jetzt der Moment, in dem du genauer hinschauen möchtest.
-
Was hat dich damals besonders verletzt?
-
Was ist unausgesprochen geblieben?
-
Und was davon trägst du vielleicht noch heute in dir?
Du darfst dich damit zeigen.
Du darfst dir Unterstützung holen.
Und du darfst sagen: Ich möchte das nicht länger mit mir allein herumtragen.
7. Konflikte verstehen und innerlich wieder frei werden
Es ist möglich, Klarheit zu finden.
Es ist möglich, Frieden zu schließen – mit dem, was war.
Es ist möglich, sich selbst wieder zu vertrauen.
Was es dafür braucht?
-
Verstehen, was wirklich passiert ist.
-
Fühlen, was vielleicht lange verdrängt war.
-
Ein neues Bild entwickeln – von dir selbst, von den anderen, von Beziehung.
Und manchmal:
Ein Gespräch.
Ein Impuls.
Ein Mensch, der dir den Raum gibt, das auszusprechen, was du bisher nur gedacht hast.
Wenn du möchtest, begleite ich dich dabei.
Du kannst mir schreiben.
Du kannst dir ein kostenloses Infogespräch buchen.
Oder du beginnst ganz für dich – mit einem inneren Ja, dass deine Geschichte zählt.
Denn:
Konflikte sind nicht das Ende. Manchmal sind sie der Anfang.
Kämpfst du selbst gerade mit einem Konflikt im beruflichen oder im privaten Umfeld? Du kannst gerne meinen kostenlosen Newsletter abonnieren.
Oder du schreibst mir eine kurze Mail an: kontakt@kerstin-pletzer.de .
Ich antworte auf jede Mail innerhalb von 24 Stunden!
Herzlichst
Kerstin Pletzer

Weiterlesen
https://kerstin-pletzer.de/vertrauen-brechen-warum-tun-menschen-das/
https://kerstin-pletzer.de/betrogen-und-jetzt/
https://kerstin-pletzer.de/vergeben-oder-verzeihen/
https://kerstin-pletzer.de/umgang-mit-aerger-und-wut/
https://kerstin-pletzer.de/kein-vertrauen-im-team-eine-fallstudie/
Bildnachweis
Titel: eigenes Material
Schöner Beitrag.
Welche literarischen Werke waren Bestandteil ihrer lehrreichen Theorie?
Im Moment setzte ich mich mit Dale Carnegie und Daniel Goleman auseinander.
Welche Autoren empfehlen Sie zusätzlich?
Schöne und angenehme Webseite haben Sie da. Mit viel Mut zur Leere.
MfG
Raffaele Giovane
Vielen Dank, Herr Giovane, für Ihr freundliches Feedback!
Daniel Goldman steht ja für das Thema Emotionale Intelligenz und Dale Carnegie für Positives Denken. Zum Thema Konfliktlösung kann ich Ihnen z. B. die Bücher von Christoph Thomann zur Klärungshilfe und Friedemann Schulz von Thun für das Thema Kommunikation empfehlen.
Welche Themen interessieren Sie denn genau?
Viele Grüße
Kerstin Pletzer
Danke für die Empfehlungen. Sind jetzt in meiner to-read Liste.
Gute Frage. Im Moment interessieren mich viele Themen.
Vielleicht auch zu viele im selben aufs mal.
Auf dem https://bigi.blog/ schreiben wir Beiträge für Architekturstudenten, um das Studium mit wichtigen Themen zu ergänzen, als Vorbereitung auf den Berufsalltag und eben die Zusammenarbeit mit Menschen und mit sich selbst.
Ich habe auch eine Arbeit über die nötigen Führungskompetenzen der Architekten geschrieben und publiziert.
https://bigi.blog/2018/03/30/die-fuehrungskompetenzen-des-architekten/
Denn das Studium alleine reicht bei weitem nicht aus, um mit Personen Bauwerke zu realisieren.
Da wir im Blog hauptsächlich Hilfe zur Selbsthilfe geben konzentrieren wir uns zuerst auf die Konflikte mit sich selbst. Da wir zuerst in der Selbstkompetenz sattelfest sein sollten, bevor wir andere führen.
Später werden wir vermehrt auf interdisziplinäre Konflikte eingehen.
Aber wenn ich jetzt nur ein Thema auswählen würde dann wäre es:
Wie kann ich Konflikte unter erfahrenen Personen lösen auch wenn ich viel weniger Erfahrung mitbringe?
Viele sagen, dass die Kompetenzen erst mit der Erfahrung kommen, aber trotzdem werden Studienabgänger ohne Coaching und Vorbereitung mit Aufgaben beauftragt, die die Kompetenz voraussetzen. Anstatt dass diese dann Konflikte lösen, geraten sie im Konflikt mit sich selbst und dem erlernten „Traumberuf“
Schönes Wochenende
Raffaele Giovane
Das ist ein interessantes Feld, in dem Sie tätig sind, Herr Giovane. Mit der Selbstkompetenz zu beginnen ist auf jeden Fall der richtige Schritt, weil von da alles ausgeht.
Wenn es darum geht, Konflikte unter anderen Personen zu lösen, ob erfahren oder weniger erfahren, braucht es dazu aber auch meditative Kompetenz. Das Alter spielt vielleicht insofern eine Rolle, als es dann oft leichter ist, von den Streitpartnern in der Rolle als Konfliktlöser oder Mediator akzeptiert zu werden. Ohne diese Akzeptanz von beiden Parteien kann keine Konfliktlösung funktionieren.
Vielleicht wäre es gut, wenn Sie Ihren Studierenden das Thema „Meditative Kompetenzen in der Arbeit als Architekten“ nahebringen?
Viele Grüße
Kerstin Pletzer