Wie kann in Teams remote Kommunikation gut funktionieren? Wie kann auch unter Online Bedingungen das WIR-Gefühl gestärkt werden? Was kann man bei Störungen und Konflikten tun?

Über diese aktuellen Fragen unterhielten Lioba Heinzler und ich uns im neuesten #supervisionsimpuls mit Andreas Kalischefski, Berater, Experte für Teamentwicklung und Mediator.

Als erfahrener Outdoor Trainer und Abenteuerpädagoge war sein Konzept zur Teamentwicklung bis 2019 sehr stark auf die körperlichen und sinnlichen Erfahrungen von Natur und auf das Erleben von direkter Gemeinschaft aufgebaut.

Das letzte Jahr hatte auch bei ihm zu Beginn Vieles scheinbar komplett infrage gestellt, dann aber auch Veränderung und neue Erfahrungen ermöglicht

Wir unterhielten uns mit ihm zunächst über seinen eigenen Erkenntnisprozess im letzten Jahr in Bezug auf virtuelle Teams und über die Anforderungen an virtuelle Teamkommunikation.

Dabei ging es um folgende Fragen:

  1. Wie kann remote Kommunikation in Teams gut funktionieren? (05:30)
  2. Wie kann ein WIR Gefühl gestärkt werden? (09:19)
  3. Was, wenn es Störungen gibt? (16:20)
  4. Wie verhindert man, dass Einzelne rausfallen oder sich abgehängt fühlen? (19:00)
  5. Wie kann im Team auch über Kritisches und Konflikthaftes gesprochen werden? (21:25)

Sehr spannend – schauen Sie gerne rein!

Online Teamentwicklung – Hier geht’s zum Video.

Darunter die Zusammenfassung

1. Online Teamentwicklung – Wie kann Remote Kommunikation im Team gut funktionieren?

Remote Kommunikation ist anders als live Kommunikation. Sie findet nicht in einem Raum statt, ist oft zeitversetzt und immer verabredet.

Gleichzeitig ist sie nicht neu. Große Konzerne haben in der internationalen Zusammenarbeit schon lange vorher so gearbeitet. 

Menschen in einem Raum nehmen sich wahr, registrieren viele situative und körpersprachliche Informationen und synchronisieren sich automatisch ohne darüber nachzudenken.  Das ist online schwieriger. Aber wenn man ein paar Dinge beachtet, funktioniert es.

Wichtig ist, die fehlende Gleichzeitigkeit und das soziale Miteinander im Raum zu kompensieren, d. h. viel nachzufragen und die sozialen Beziehungen zu pflegen.

Online können immer nur einzelne sprechen, nicht gleichzeitig, 

Auch das gilt es so gut wie möglich zu imitieren. Das kann auf unterschiedliche Art und Weise passieren, zum Beispiel indem Kleingruppen- oder Paararbeit gefördert werden. Grundsätzlich geht es darum, viel Kontakt und Gespräch zu ermöglichen. Aus der Praxis gab es ein Beispiel, wo explizit Erlaubnis zu „sozialem Ungehorsam“ gegeben wurde. Damit war die ausdrückliche Erlaubnis für die Mitarbeitenden gemeint, sich jederzeit (natürlich im leistbaren Rahmen) melden, anrufen oder Fragen stellen zu dürfen.

Wichtig ist hierbei auf bewusste und explizite Moderation zu achten, entweder durch die Führungskraft, durch eine rollierenden oder feste Moderationsrolle, oder im Rahmen einer gemeinsam entwickelten bestimmten Meeting Kultur.

2. Online Teamentwicklung – Wie kann das WIR-Gefühl gestärkt werden?

Wir-Gefühl heißt Identität. Auch unter anderen Umständen ist es sehr stärkend für ein Team, sich gemeinsam definieren zu können. Zwei Beispiele aus der Praxis verdeutlichen das:

In einer Kindertageseinrichtung identifizierten sich nicht nur die Kinder, sondern auch die Mitarbeitenden mit dem Gruppennamen („Die kleinen Wichtel“), sprachen von sich als der „Wichtelgruppe“ und wurden auch von anderen so genannt.

In einem anderen Beispiel gaben sich die Mitarbeiter einer Werbeagentur in den einzelnen Büros Namen aus dem „Herrn der Ringe“. So hieß zum Beispiel ein Büro „Mordor“, zu erkennen an entsprechend liebevoll gemalten Türschildern. Man kann sich vorstellen, welche witzigen, kommunikativen Aufhänger das gab! Jeder Besucher hatte gleich einen schönen Anknüpfungspunkt für ein bisschen Small-Talk. Gleichzeitig bahnte es den Weg, humorvoll und mit Augenzwinkern über manche Problematik in der Zusammenarbeit zu sprechen.

Wichtig wäre, solche Identitäten zu erhalten oder auch Wege zu suchen, sie auch in der online Kommunikation aufzubauen.

Ansonsten sind online in besonderer Weise gemeinsame Rituale wichtig, um den sozialen Kitt zu fördern, wie ein gemeinsamer Kaffee um 09.00, eine gemeinsame Mittagspause oder ein gemeinsamer Tagesabschluss.

3. Online Teamentwicklung – Was, wenn es Störungen gibt?

In der Distanz -Zusammenarbeit ist es schwieriger mitzubekommen, wie es Einzelnen geht. Es fehlen die vielen impliziten Zeichen, die man bekommt, wenn man sich tagsüber über den Weg läuft oder häufig sieht. Kontakt muss expliziter gemacht werden, indem bewusst und häufig nachgefragt wird, was den einzelnen bewegt .

Online ist die Gefahr größer, dass stille Teammitglieder, neue Mitarbeitende oder solche, die aus anderen Gründen etwas heraus fallen, verloren gehen. Auch da ist Kontakt-Halten der wichtigste Punkt, der hilft, Klippen in der Zusammenarbeit zu identifizieren und zu überwinden.

Spannungen im Team?

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Online Teamentwicklung – wie verhindert man, dass Einzelne sich abgehängt fühlen?

Es ist wichtig, aktiv auf Spurensuche zu gehen und über Gespräche versuchen, herauszufinden, wo die Einzelnen stehen und Kontakt zu Ihnen herzustellen. Meist ist es die Aufgabe der Führungskräfte, hier aufmerksam zu sein.

Große Runden sind hier eher nicht zu empfehlen, es sei denn, es gibt eine gewachsene Feedbackkultur oder Konfliktkultur dafür.

Wenn es dann wirklich mal geknallt hat, oder Verwicklungen gibt – ist es wichtig, genau wie in Live Situation auch, einen Weg zu finden, das zu thematisieren.

Wichtig ist es, einen Rahmen, einen geschützten Raum zu finden, wo die Themen sicher besprochen werden können. Das geht online genauso wie in einer Präsenzsituation. Da ist das Medium nicht so wichtig, wie der geschützte und sicherer Rahmen.

Eine andere Möglichkeit ist es, auch die online Kommunikation selbst einmal zu thematisieren. Das heißt, darüber zu sprechen, wie es allen mit dieser Art der Kommunikation geht, was sie gut finden und was sie vielleicht vermissen. 

Der Vorteil: Es wird etwas ausgesprochen, was unübersehbar da ist, aber dennoch meist niemand von sich anspricht. Und es ist eine zugängliche und Gemeinschaft stiftende Art über sich und seine Erfahrungen mit der Situation zu sprechen, ohne dass es direkt zu persönlich wird.

4. Online Teamentwicklung – Wie kann online auch über Kritisches und Konflikthaftes gesprochen werden?

Hier ist es auch nicht viel anders als in der Live Situation. Das Setting muss stimmen. Es braucht einen geschützten Raum und ein sicheres Gefühl, um etwas Kritisches auszusprechen

Zu empfehlen wäre, online tendenziell eher das Vier-Augen-Gespräch ohne Publikum zu suchen oder auf jeden Fall den Kreis klein zu halten.

Das ist aber abhängig von der Situation, aus der ein Team kommt oder davon was ein Team gewöhnt ist. Ein eher autonom oder nach agilen Prinzipien arbeitendes Team gestaltet sich die Situation selbst. Da, wo ein hoher Fokus auf die Führungskraft ist, kommt auf diese dann Herausforderung zu, das Ganze im Blick zu haben und entsprechende Impulse zu setzen.

Es gibt auch eine interessante Beobachtung, dass es Menschen, die eher beziehungsorientierter ticken, eine Online Situation sogar hilft, Kritisches anzusprechen, weil der andere nicht direkt im Raum ist.

Wie ist es bei Ihnen? Wie haben sich Abstandsmaßnahmen oder remote Kommunikation im Team ausgewirkt?

Schreiben Sie mir gern in den Kommentaren!

Herzlichst

Ihre Situation ist verwickelt? Sie brauchen weitere oder andere Unterstützung? Sie haben noch Fragen oder Informationsbedarf? Dann melden Sie sich gern an für ein 15 minütiges Info-Gespräch.
Dort können Sie mich auch persönlich kennen lernen. Wir können schauen, was genau in ihrer Situation das richtige wäre.
Ich bin Mediatorin, zertifizierte Klärungshelferin und Supervisorin und helfe Ihnen gerne bei Ihrer Konfliktlösung.

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