KI bei Konflikten: Kann das wirklich helfen?

9. Feb. 2026 | KI und Konfliktlösung | 0 Kommentare

KI bei Konflikten. Vor ein paar Wochen saß ich einer Klientin gegenüber. Wir sprachen über eine schwierige Situation in ihrem Team, über Missverständnisse, verhärtete Fronten, über das Gefühl, nicht gehört zu werden. Sie hörte mir zu, nickte nachdenklich und sagte dann: „Ja, das hat die KI auch gesagt.“

Ich musste schmunzeln. Nicht, weil mich das belustigt hat. Sondern weil in diesem Moment etwas sichtbar wurde, das längst Realität ist. Menschen nutzen KI, um über Konflikte nachzudenken. Sie tippen ihre Geschichte ein, mitten in der Nacht, wenn die Gedanken kreisen. Sie fragen nach, lassen sich Perspektiven aufzeigen, holen sich Rat. Manchmal parallel zur Beratung, manchmal davor, manchmal stattdessen.

Auch ich war irgendwann neugierig. Ich begleite als Supervisorin und Mediatorin seit vielen Jahren Menschen in der Lösung von Konflikten. Ich bin humanistisch geprägt und orientiert, was mich in eine natürliche kritische Haltung gegenüber künstlicher Intelligenz bringt. Gleichzeitig bin ich aber auch tool-affin und experimentierfreudig und probiere Dinge gerne aus, bevor ich urteile.

Also wollte ich wissen: Wie ist das eigentlich, wenn ich selbst mit ChatGPT über eine schwierige Situation spreche?

Am Anfang schien meine kritische Seite bestätigt. Die Antworten waren glatt, perfekt und irgendwie nichtssagend. Wortreiche Ratschläge, die nicht wirklich weiterhalfen. Viel Text, aber seltsam leer.

Aber irgendwann kam der Durchbruch. Ich lernte, anders zu fragen. Genauer. Klarer. Manchmal um die Ecke. Der Austausch mit der KI brachte mich innerlich in Bewegung. Und ich begann zu verstehen: Es sind nicht die Lösungen oder die Ratschläge, die mich weiterbringen, sondern der Austausch an sich. Der wie eine Art intensiver Selbsterforschungsprozess werden kann. Eine Selbstklärung. Eine Selbstreflexion in Zusammenhang mit einer Konfliktsituation.

Und dann wurde mir etwas klar: Durch das Reflektieren an sich verstand ich schon vieles. Die Antworten der KI waren plötzlich gar nicht mehr so wichtig. Der Austausch selbst hatte mich dorthin gebracht.

In einer zweiten Experimentierphase habe ich dann mit gezielten Coachingtechniken experimentiert, mich selbst durch diesen Prozess gecoacht. Und immer besser herausgefunden, was bei Konflikten zu beachten ist und wie man vorgehen kann.

Was ich dabei lernte: Mit KI über Konflikte sprechen ist mehr als Problemlösung – es ist ein Prozess der Selbsterkundung.

In diesem Artikel werde ich dir zeigen, was es bedeutet, mit einer KI in Bezug auf eine Konfliktsituation zu arbeiten. Ich will dich auf einige Fallstricke hinweisen, dir aber auch den besonderen Nutzen zeigen, den das Arbeiten mit einem KI-Tool dir bieten kann – wieder in die Selbstführung zu kommen.

All das wirst du in diesem Blogartikel erfahren.

Wenn ich im Folgenden von KI spreche, meine ich textbasierte KI-Systeme wie ChatGPT, Claude oder ähnliche, mit denen du schriftlich im Dialog arbeitest. Ich verwende die Begriffe KI, KI-Text-Tool und manchmal auch ChatGPT weitgehend synonym.

Ich setze voraus, dass du dich schon mal mit einer KI beschäftigt hast. Vielleicht hast du sie auch selbst schon einmal zu einer Konfliktsituation befragt. Die Frage ist nicht mehr, ob es passiert. Die Frage ist: Wie nutzt du die KI so, dass sie wirklich hilft? Wo liegen die Möglichkeiten? Und wo die Risiken?

KI bei Konflikten: Fallstricke, aber auch eine besondere Chance

Bei Konflikten ist es anders als bei vielen anderen Themen. Konflikte bringen uns in Bedrängnis. Sie aktivieren unser Nervensystem. Sie machen uns eng. Und genau deshalb ist der Umgang mit der KI hier besonders heikel. Aber auch besonders interessant.

Ein typisches Szenario

Stell dir vor, du hast eine gute Freundin. Ihr kennt euch seit einem halben Jahr, und die Freundschaft ist schnell sehr intensiv geworden. Ihr habt die gleiche Coaching-Ausbildung gemacht, viel voneinander mitbekommen und euch gefreut, dass ihr euch gefunden habt.

Und dann gibt es dieses eine Gespräch. Es geht um Geld. Um Honorare. Um das, was ihr für eure Beratungen nehmt. Und plötzlich wird deine Freundin übergriffig. Sie interpretiert an dir herum, stellt Analysen an, warum du dich mit dem Thema Geld schwertust. Du sitzt da und spürst, wie etwas in dir hochkommt. Ärger. Verletzung. Das Gefühl, nicht gesehen zu werden. Deine Sicherungen knallen durch.

Jetzt, ein paar Tage später, kreisen die Gedanken immer noch. Du kannst nicht schlafen. Du bist verwirrt. War das wirklich so übergriffig, oder überreagierst du? Was sollst du jetzt tun? Mit der Freundin reden? Aber wie? Und was, wenn das alles noch schlimmer macht?

Andere Freundinnen sind gerade nicht erreichbar. Die nächste Coaching-Sitzung ist erst in zwei Wochen. Aber der Laptop steht da. Die KI ist immer verfügbar. Warum nicht mal eben ChatGPT befragen?

So oder ähnlich passiert es wahrscheinlich vielen von uns. Wer im Alltag mit diesen Tools arbeitet, nutzt sie auch für persönliche Fragen.

Was in Konflikten mit uns passiert

Lass uns kurz innehalten und anschauen, was in so einer Situation in dir vorgeht.

Konflikte bringen uns in einen Ausnahmezustand, biologisch und psychologisch. Dein Nervensystem läuft auf Hochtouren. Du hast einen Tunnelblick, bist aufgebracht, suchst Verbündete. Du willst eine schnelle Lösung, am besten sofort.

Das ist alles nicht vernünftig, aber so funktionieren wir in Konflikten. Unser Verstand ist quasi abgeschaltet. Und aus genau diesem Grund finden wir in diesem Zustand auch keine guten Lösungen. Dafür müssten wir erst wieder unseren Verstand einschalten. Und dafür müssen wir uns zuerst beruhigen.

Die Verführung

Und jetzt kommt die KI ins Spiel.

Eine KI ist darauf trainiert, immer empathisch zu sein, immer auf deiner Seite zu stehen und vor allem: Lösungen zu liefern – sofort, unermüdlich, geduldig.

Das ist verführerisch, aber auch gefährlich. Denn es hilft langfristig nicht, nur jemanden auf der eigenen Seite zu haben. Und es ist fatal, zu schnell zu Lösungen zu greifen, bevor die Situation wirklich verstanden und verdaut ist. Mit der KI ist diese Verführung besonders stark – weil sie dieses existenzielle Bedürfnis unendlich bedient. Sie wird nicht müde, dich zu bestätigen. Sie ist immer da.

Die Chance: Selbstführung durch Steuerung

Die Verführung ist real. Aber sie hat eine Kehrseite, die zur Chance werden kann. Die KI funktioniert nur, wenn du sie führst. Du musst klar sagen, was du willst, Rollen definieren, den Prozess aktiv steuern. Und genau das kann im Umgang mit Konflikten zum Wendepunkt werden.

Die Doppelrolle: Selbstführung als Schlüssel

Erinner dich an die Situation mit deiner Freundin. Wenn du darüber mit einem Coach oder einer vertrauten Person sprichst, gibt es automatisch zwei Rollen: Die andere Person ist präsent, richtet ihre Aufmerksamkeit auf dich, überlegt, was du brauchst. Du kannst dich anvertrauen, fallenlassen, führen lassen.

Mit der KI ist das anders. Du hast beide Rollen: Du bist Klientin/Ratsuchende UND Prozessgestalterin in einer Person.

Das ist anspruchsvoll. Denn in Konflikten sind wir so mitgerissen von unseren Emotionen, dass wir keinen Abstand mehr zu uns selbst haben. Wir sind gefangen in unserer Perspektive, sehen nur noch, was uns verletzt hat, reagieren impulsiv und können nicht mehr abgewogen denken.

Die KI arbeitet mit dem, was du ihr gibst. Je klarer du sagst, was du willst, desto besser die Antworten. Manchmal „vergisst“ sie den Auftrag und weitet ihn aus – dann musst du den Kurs korrigieren. Das kann dich fordern, besonders wenn du emotional aufgewühlt bist und dir eigentlich nur wünschst, dass jemand dir sagt, was zu tun ist.

Aber genau hier liegt die Chance. Denn wenn wir die KI nutzen, um uns innerlich immer wieder zurückzuholen und auf den Prozess des Austausches zu schauen, dann üben wir genau das, was wir im Konflikt brauchen: Abstand gewinnen. Uns selbst beobachten. Auf den Prozess schauen, Metaperspektive einnehmen. Erkennen, wenn wir uns im Kreis drehen. Spüren, was wir gerade brauchen, um uns zu beruhigen.

Du könntest ChatGPT oder einem anderen KI-Text-Tool zu Beginn sagen:

„Ich möchte mit dir über eine Konfliktsituation sprechen. Dabei ist mir wichtig, dass ich nicht nur Bestätigung bekomme, sondern wirklich kläre, was hier passiert ist. Erinnere mich zwischendurch daran, innezuhalten und zu spüren: Fühlt sich das noch stimmig an? Bin ich noch bei mir? Welche Perspektiven fehlen noch?“

Das ist keine technische Spielerei. Das ist ein Mechanismus, der dich aus der Enge herausholt.

Und in dem Moment, wo du innehältst, wo du hin spürst, wo du antwortest, übst du genau das, was du auch im Konflikt brauchst: Innerlich stoppen, entspannen, besinnen, reagieren.

Das kann dir später in einem Gespräch mit deiner Freundin oder in einer anderen Konfliktsituation helfen, genau das geübt und gelernt zu haben: eine innere Instanz aktiviert zu haben, die dich wieder zurückholt, wenn du aus der Fassung geraten bist.

Die Bestätigungsfalle

Lass uns ehrlich sein: Wenn du verletzt, empört, verwirrt bist, suchst du jemanden, der auf deiner Seite steht. Das ist nicht verwerflich – das ist biologisch sinnvoll. Du brauchst das Gefühl, verstanden zu werden.

Du sitzt vor dem Laptop, tippst deine Geschichte ein. Was deine Freundin gesagt hat. Wie übergriffig das war. Wie verletzt du dich fühlst. Und die KI? Die versteht. Immer. „Das klingt nach einer schwierigen Situation. Es ist verständlich, dass du dich so fühlst.“ Sie bestätigt, tröstet, gibt dir das Gefühl, gehört zu werden.

Das kann im ersten Moment gut tun. Manchmal brauchst du genau das. Jemanden, der sagt: Deine Gefühle sind berechtigt. Du bist nicht verrückt.

Aber wenn du dort stehen bleibst, wenn die KI dich nur bestätigt, dann ändert sich nichts. Dann hast du einen Ort gefunden, an dem du deine Geschichte erzählen kannst, an dem du dich verstanden fühlst. Aber der Konflikt bleibt. Deine Freundin bleibt unverstanden. Die Situation bleibt ungeklärt.

In Konflikten funktioniert es nie, wenn wir nur aus der eigenen Ich-Perspektive denken. Es braucht alle Perspektiven im Raum – auch die, die wehtun. Auch die, die wir nicht hören wollen. Die KI liefert nur, was du ihr gibst. Wenn du ihr eine einseitige Geschichte gibst, bekommst du eine einseitige Antwort. Wenn du sie nicht aktiv bittest, die andere Seite zu beleuchten, tut sie es nicht.

Das heißt: Du musst die Perspektiven, die dir fehlen, aktiv einfordern.

Du könntest fragen:

  • „Beschreibe mir die Situation aus der Sicht meiner Freundin. Wie könnte sie das Gespräch erlebt haben?“
  • „Welche Perspektiven habe ich bisher noch nicht betrachtet?“
  • „Ich habe das Gefühl, dass ich gerade nur Bestätigung suche. Stelle mir Fragen, die mich aus dieser Enge herausholen.“

Das ist unbequem. Das will ein Teil in dir nicht. Aber genau das ist der Punkt, an dem echte Klärung beginnt.

Wenn du mitten in der Nacht wach liegst und die KI dir zum dritten Mal bestätigt, dass du im Recht bist, dann halt kurz inne: Fühlst du dich wirklich besser? Oder drehst du dich im Kreis?

Ein Drama-Dreieck kann auch mit KI entstehen

Vielleicht kennst du das Drama-Dreieck. Es ist ein Muster, das in Konflikten immer wieder auftaucht: Ich bin das Opfer, der andere ist der Täter, und du, mein Gegenüber, bist meine Retterin. Das passiert nicht nur mit Menschen – das kann auch mit der KI passieren. Du sitzt vor deinem Bildschirm und erzählst deine Geschichte. Deine Freundin hat dich angegriffen, übergriffig interpretiert, deine Grenzen überschritten.

Du bist verletzt. Die KI versteht: „Das war eine Grenzüberschreitung. Es ist nachvollziehbar, dass du dich so fühlst“. Du fühlst dich bestätigt. Endlich jemand, der auf deiner Seite steht.

Aber was passiert hier wirklich? Du bleibst in der Opferrolle, deine Freundin bleibt die Täterin. Und die KI wird zur Retterin, die dir bestätigt, dass du im Recht bist. Das fühlt sich erst einmal gut an. Aber dann passiert etwas Merkwürdiges: Du merkst, dass sich nichts ändert.

Du wirst unzufrieden. Vielleicht sogar ein bisschen wütend auf die KI. Die hat doch gesagt, es ist alles richtig. Aber das Problem wirst du nicht los. Du weißt immer noch nicht, was du tun sollst und suchst nach nächsten rettenden Instanz …

Und so dreht sich das Drama-Dreieck weiter: Aber der Kern bleibt – du steckst in der Opferrolle fest. Das machen wir nicht bewusst, das ist ein klassischer Mechanismus in zwischenmenschlichen Konflikten, in denen wir hinein rutschen können. In der Opferrolle werten wir uns selbst ab. Wir trauen uns nicht zu, die Situation zu lösen.

Wir suchen jemanden, der uns sagt, wie es geht – und sind dann enttäuscht, wenn das nicht funktioniert. Wir geben die Verantwortung ab und ärgern uns gleichzeitig, dass niemand uns wirklich hilft. Wer in der Opferrolle steckt, sieht es nicht. Natürlich nicht. Wir spüren nur die Hilflosigkeit, die Verzweiflung, das Gefühl, dass nichts sich ändert.

Aber es gibt einen Weg, dem vorzubeugen: Du kannst der KI zu Beginn den Auftrag geben, dich darauf hinzuweisen. Du könntest sagen:

  • „Bitte weise mich darauf hin, wenn ich zu sehr in einer Opferrolle hängen bleibe. Wenn ich nur klage, ohne ins Handeln zu kommen.“
  • „Bitte benutze das Modell des Drama-Dreiecks, und wende es auf die geschilderte Situation an.“
  • „Wenn du merkst, dass ich immer wieder die gleiche Geschichte erzähle, ohne dass sich etwas bewegt, sag mir das.“
  • „Erinnere mich daran, meinen eigenen Anteil zu sehen. Auch wenn ich das vielleicht gerade nicht hören will.“

Die KI wird dich dann unterbrechen: „Ich bemerke, dass du viel über das sprichst, was deine Freundin getan hat. Aber was ist dein Anteil? Wo hast du Handlungsmöglichkeiten, die du gerade nicht siehst?“.
Das ist unbequem. Das will man nicht hören, wenn man gerade verletzt ist. Aber so steuerst du dagegen, in ein Drama-Dreieck hineinzulaufen.


Von der Aufregung zur Klarheit: Wie du mit der KI arbeiten kannst

Die Fragen und Formulierungen, die ich dir in den folgenden Abschnitten zeige, sind Anregungen. Nicht mehr, nicht weniger. Nimm sie als Inspiration und pass sie an, an deine Art zu sprechen, an deinen Hintergrund, an das, was du gerade brauchst. Du kennst dich am besten.

Konflikte verlaufen in Wellen, manchmal mehrfach. Es gibt die akute Phase, wo alles hochkocht. Dann kommt irgendwann Abstand. Und schließlich der Punkt, wo du überlegst: Was mache ich jetzt konkret?

Je nachdem, in welcher Phase du dich befindest, brauchst du etwas anderes von der KI. Aber bevor wir in die einzelnen Phasen einsteigen, lass mich dir ein paar grundsätzliche Hinweise geben. Dinge, die über alle Phasen hinweg wichtig sind.

Bevor du anfängst: Ein paar grundsätzliche Hinweise

Ein praktischer Hinweis vorab: Bevor du anfängst, mit der KI zu arbeiten, schau kurz, ob es Informationen gibt, die du besser anonymisieren solltest. Namen von Personen, Orte, Firmennamen. Du kannst mit Kürzeln arbeiten („Person A“, „die Kollegin“) oder die Details leicht verfremden – wichtig ist, dass der Kern der Situation erhalten bleibt, aber genug Anonymität da ist.

Es geht nicht darum, dass die KI dir sagt, was du tun sollst. Es geht darum, dass du sagst, was sie tun soll:
Du willst einen Dialog mit dir selbst führen, dich selbst reflektieren. Du könntest der KI zu Beginn sagen:

  • „Ich möchte einen Dialog führen. Bitte schlage mir keine Lösungen vor, sondern bringe mich dazu, zu tieferen Schichten von mir selbst vorzudringen.“
  • „Stelle mir Fragen, statt mir Antworten zu geben. Wenn ich in Lösungen abrutsche, hol mich zurück zur Reflexion.“

Wichtig ist auch das Tempo. Lass dir Zeit. Die KI muss nicht sofort alles auf einmal fragen. Du könntest sagen: „Bitte immer nur eine Frage oder eine Information auf einmal. Lass mich erst antworten, dann die nächste Frage.“

Du darfst die KI korrigieren. Wenn dir eine Antwort nicht gefällt, wenn sie zu glatt klingt, zu nichtssagend, dann sag das. Du könntest zum Beispiel sagen: „So will ich es nicht haben. Bitte antworte mir so, wie es ein Philosoph oder ein wohlmeinender Freund tun würde.“ Oder: „Spiele folgenden Gedanken einmal mit mir durch…“

Und dann gibt es noch etwas, das leicht vergessen wird: Du musst nicht die ganze Zeit vor dem Bildschirm sitzen. Während einer „Sitzung“ mit der KI schließ mal zwischendurch die Augen. Lausch in dich hinein. Hör auf deinen Körper. Fühlt sich alles noch stimmig an? Geht es in die richtige Richtung?

Mach auch einmal eine Pause. Steh auf, beweg dich. Komm zurück, wenn du bereit bist. Du kannst die KI auch bitten, dich daran zu erinnern:

  • „Frage mich regelmäßig: Wo in deinem Körper spürst du das?“
  • „Was könnte ich gerade übersehen? Was ist mein blinder Fleck?“

Und am Ende, wenn du das Gefühl hast, für heute genug reflektiert zu haben, könntest du sagen: „Fasse zusammen, was ich heute für mich erkannt habe“. Das hilft dir, das Wesentliche mitzunehmen. Und es zeigt dir, ob du wirklich weitergekommen bist – oder ob du dich nur im Kreis gedreht hast.

Phase 1: Akut – Wenn’s noch brennt

Du bist mitten drin. Das Herz klopft, die Gedanken kreisen. Du bist empört, verletzt, verwirrt. Vielleicht kannst du nicht schlafen, vielleicht läuft der innere Dialog in Dauerschleife.

Du willst, dass es aufhört. Du willst eine Lösung. Jetzt. Erinner dich: Du sitzt vor dem Laptop. Das Gespräch mit deiner Freundin ist ein paar Tage her, aber es ist, als wäre es gerade eben passiert.

Die Wut, die Verletzung. alles ist noch da. Mach dir keine Sorgen, wenn du in dieser Phase noch nicht klar denken kannst. Das ist normal. Dein Nervensystem ist hochgefahren. Es geht erst einmal darum, dass du dich überhaupt ein bisschen beruhigst.

Was jetzt helfen kann:

Schreib es runter. Einfach alles, ohne nachzudenken, ohne zu strukturieren. Gib der KI die ganze Geschichte, so wie sie in dir ist. Das Schreiben allein hilft schon – es bringt die kreisenden Gedanken aus dem Kopf auf den Bildschirm.

Dann kannst du die KI fragen:

  • „Was hast du verstanden von mir, von der Situation?“
  • „Welche Informationen fehlen dir noch, um die Situation besser zu verstehen?“
  • „Welche Emotionen nimmst du bei mir wahr?“
  • „Ist es normal, dass ich so reagiere?“
  • „Welche Methoden kennst du, die mir helfen könnten, mich jetzt zu beruhigen?“
  • „Was brauche ich JETZT in diesem Moment?“

Aber – und das ist wichtig: Wenn du weißt, was du brauchst, dann tu es auch. Konflikte üben oft einen Sog aus, dem wir schwer entkommen. Wir sitzen weiter vor dem Bildschirm, stellen die nächste Frage, und noch eine. Aber was dir jetzt viel mehr helfen würde, ist vielleicht rauszugehen, dich zu bewegen, den Körper zu spüren.

Du könntest der KI auch sagen: „Wenn ich dir gesagt habe, was ich brauche, dann erinnere mich daran, das jetzt wirklich zu tun. Schick mich weg vom Bildschirm.“ Die KI wird dir dann sagen: „Gut. Jetzt geh. Mach einen Spaziergang. Leg dich hin. Ruf einen Freund an. Was auch immer du brauchst – tu es jetzt. Wir können später weitermachen, wenn du bereit bist.“

Was du in dieser Phase wahrscheinlich noch nicht brauchst: Strategien. Lösungen. Gesprächsvorbereitungen. Das kommt später. Jetzt geht es erst einmal darum, wieder bei dir anzukommen.

Phase 2: Abstand gewonnen – Verstehen & Klären

Du hast dich ein bisschen beruhigt. Die ersten heftigen Emotionen sind abgeflaut. Du kannst wieder klarer denken. Vielleicht sind ein paar Tage vergangen.

Vielleicht hast du mit anderen darüber gesprochen, bist spazieren gegangen, hast geschlafen. Irgendetwas hat sich ein wenig gelöst. Jetzt ist der Moment, wo du tiefer gehen kannst: Du willst verstehen, was hier eigentlich passiert ist. Was hat dich so getroffen? Was steckt dahinter?

Was jetzt helfen kann:

Jetzt ist die Zeit für Selbstcoaching-Methoden, für Perspektivwechsel, für das Erkunden von Mustern und Bedürfnissen. Du könntest die KI bitten:

  • „Stelle mir bitte Fragen, damit ich herausfinde, welcher Teil in mir hier reagiert. Frage so lange, bis ich es verstanden habe.“
  • „Hilf mir durch Fragen zu erkennen: Wann habe ich ähnlich reagiert? Gibt es ein Muster, das sich wiederholt?“
  • „Stelle mir Fragen, die mir helfen herauszufinden, welches Bedürfnis hinter meiner Reaktion steht.“
  • „Führe mich durch Fragen in die Perspektive meiner Freundin. Wie könnte sie das Gespräch erlebt haben?“
  • „Frage mich so, dass ich verstehe, was meine heftige Reaktion über das sagt, was mir wichtig ist.“
  • „Hilf mir durch Fragen, diese Situation aus einer Zukunftsperspektive zu sehen: Wie würde ich in fünf Jahren darauf schauen?“

Wenn du mit bestimmten Kommunikationsmodellen vertraut bist, kannst du sie jetzt zu Hilfe nehmen:

  • „Zeige mir die Situation anhand des Kommunikationsquadrats von Friedemann Schulz von Thun.“
  • „Wie könnte ich das Ganze mit der Gewaltfreien Kommunikation angehen? Hilf mir, Beobachtung, Gefühl, Bedürfnis und Bitte zu formulieren.“
  • „Zeig mir die Situation aus systemischer Sicht. Welche Muster könnten hier wirken?“
  • „Bitte spiele die Situation mit mir einmal anhand des Modells des inneren Teams durch.“

Diese Phase braucht Zeit. Hier geht es nicht um schnelle Lösungen. Hier geht es darum, dass du wirklich verstehst, was passiert ist. Bei dir. Und vielleicht auch bei deiner Freundin.

Phase 3: Handlung – Vorbereitung & Umsetzung

Jetzt wird es konkret. Du hast verstanden. Du bist ruhiger. Du hast Perspektiven gewechselt, Muster erkannt, deine Bedürfnisse identifiziert. Und jetzt weißt du: Du willst das Gespräch mit deiner Freundin führen. Du willst klären, was zwischen euch steht.

Aber wie gehst du vor? Was sagst du? Wie fängst du an – und was, wenn es eskaliert?

Was jetzt helfen kann:

Jetzt ist die Zeit, das Gespräch vorzubereiten. Die KI kannst du nutzen wie einen Sparringspartner. Du könntest sie bitten:

  • „Hilf mir, verschiedene Eröffnungen für das Gespräch zu entwickeln. Frage mich, was ich meiner Freundin wirklich sagen will.“
  • „Lass uns Worst-case und Best-case durchspielen. Was wäre das Schlimmste, das passieren könnte? Und wie würde ich damit umgehen?“
  • „Stelle mir Fragen, die mir helfen herauszufinden: Was ist für mich verhandelbar, was nicht? Wo sind meine Grenzen?“
  • „Was brauche ich nach dem Gespräch? Wie sorge ich für mich? Stelle mir Fragen, die mich darauf vorbereiten.“
  • „Was, wenn es eskaliert? Hilf mir, eine Exitstrategie zu entwickeln.“

Du kannst auch konkrete Formulierungen ausprobieren:

„Ich möchte meiner Freundin sagen: [dein Satz]. Wie könnte das bei ihr ankommen? Gibt es eine andere Formulierung, die klarer oder weniger verletzend ist?“

Die KI kann dir helfen, dich vorzubereiten. Sie kann mit dir durchspielen, was passieren könnte. Aber sie kann dir das Gespräch nicht abnehmen – das musst du selbst führen. Und das ist gut so: Denn in diesem Gespräch wirst du präsenter sein, aufmerksamer, ruhiger, weil du dich vorbereitet hast, weil du weißt, was du brauchst, weil du wieder in Selbstführung bist.

Zwei Ideen, wenn du noch weitergehen willst

Bis hierher haben wir vor allem über den akuten Konfliktfall gesprochen. Über das, was dir hilft, wenn gerade etwas passiert ist. Wenn du noch mittendrin steckst. Aber es gibt auch Möglichkeiten, die KI darüber hinaus zu nutzen – nicht für die Akutsituation, sondern längerfristig.

Um Konfliktkompetenz zu entwickeln. Um dich selbst immer besser kennenzulernen. Um zu verstehen, wie du tickst, wenn es schwierig wird. Ich möchte dir zwei Ideen mitgeben – keine Pflicht, eher als Anregung, falls dich das Thema packt.

Idee 1: Die KI als Lerntagebuch

Du kennst vielleicht das klassische Lerntagebuch. Ein Notizbuch, in das du schreibst, was du erlebt hast, was du gelernt hast, wo du noch Fragen hast. In vielen Ausbildungen gehört das dazu. Ich selbst habe Lerntagebücher in verschiedenen Ausbildungen geführt, damals natürlich schriftlich, in einem echten Notizbuch.

Ich habe oft darin nachgeschlagen, später darauf Bezug genommen. Heute lese ich mir manche dieser Einträge noch einmal durch und staune, was damals war. Ein Lerntagebuch hilft, weil es Entwicklung sichtbar macht – du siehst, wo du herkommst, welche Fragen dich beschäftigt haben, was sich verändert hat.

Mit einem KI-Text-Tool wie ChatGPT oder Claude geht das noch einen Schritt weiter. Denn du kannst mit ihm im Dialog bleiben. Du schreibst nicht nur für dich, du kannst nachfragen, die KI bitten: „Welcher Prozess hat hier stattgefunden? Was hat sich verändert zwischen meinem ersten Eintrag und jetzt?“

Du könntest dir vornehmen, einmal die Woche mit der KI zu reflektieren: über Situationen, die dich beschäftigt haben, über Konflikte, die aufgetaucht sind, über Dinge, die du anders gemacht hast als früher. Über Muster, die du bei dir beobachtest. Die KI wird dich im Laufe der Zeit immer besser kennen.

Sie wird Zusammenhänge erkennen, die dir vielleicht entgehen. Sie wird dich darauf hinweisen: „Vor drei Monaten hast du in einer ähnlichen Situation genauso reagiert. Was ist der gemeinsame Nenner?“ Das ist keine Therapie, auch kein Ersatz für professionelle Begleitung. Aber es ist ein Werkzeug zur Selbstreflexion – ein Begleiter auf dem Weg, immer mehr Konfliktkompetenz zu entwickeln.

Idee 2: Einen Chat mit der anderen Person teilen (für Fortgeschrittene)

Und dann gibt es noch eine Möglichkeit, die ich mit einem Augenzwinkern „für Fortgeschrittene“ nennen würde. Stell dir vor, du bist mit jemandem in einer Auseinandersetzung. Ihr seid nicht mehr im akuten Konflikt, aber ihr seid noch dabei, Dinge zu klären. Es gibt schon wieder eine gewisse Vertrauensebene. Ihr redet miteinander, es ist nicht einfach, aber ihr seid beide bereit, weiterzugehen.

Du hast für dich mit der KI gearbeitet. Du hast deine Perspektive geklärt, Muster erkannt, verstanden, was dich getriggert hat. Und jetzt könntest du einen Schritt weiter gehen: Du zeigst der anderen Person einen Teil dieses Chats. Nicht als fertige Lösung oder als „Schau, so ist es richtig“. Sondern als Brücke. Als Einladung.

„Schau mal, ich habe versucht, meine Sicht auf die Situation zu verstehen. Das ist dabei herausgekommen. Ich möchte nicht, dass du dem zustimmst. Aber vielleicht hilft es uns, miteinander ins Gespräch zu kommen.“

Das kann etwas öffnen. Denn die andere Person sieht: Du hast dich wirklich auseinandergesetzt. Du hast nicht nur bei deiner Position verharrt. Du hast versucht zu verstehen, auch dich selbst und deinen eigenen Anteil.

Vielleicht könnte das auch in dem fiktiven Beispiel mit deiner Freundin funktionieren. Ihr zu zeigen: Schau, so habe ich versucht, mich selbst zu verstehen. So habe ich versucht, auch deine Seite zu sehen. Lass uns darüber reden.

Das setzt voraus, dass schon wieder Vertrauen da ist. Dass die Beziehung das trägt. Und dass du bereit bist, verletzlich zu sein. Denn du zeigst etwas von deinem inneren Prozess. Aber wenn es passt, wenn der Moment stimmt, kann das ein sehr kraftvoller Schritt sein.

Kann diese Art der Nutzung nicht auch problematisch werden?

Lass uns noch eine Frage ansprechen, die vielleicht im Raum steht: Wenn wir KI so nutzen, gehen wir dann weniger in echte Beziehungen? Wird Coaching überflüssig? Ersetzen wir menschliche Begegnungen durch komfortable Gespräche mit einer Maschine?

Das ist eine berechtigte Frage. Denn die KI ist so verfügbar. Sie fordert nichts zurück, wird nicht müde, nicht genervt, nicht enttäuscht. Ein Gespräch mit einem anderen Menschen fordert immer viel mehr von uns, wir haben es mit einem anderen Individuum zu tun, mit eigenen Zielen und Wünschen, mit eigenen Grenzen.

Das ist anstrengender. Und genau das könnte uns verführen, beim Komfortablen zu bleiben. Die Antwort ist nicht schwarz oder weiß, aber sie ist wichtig.

Wenn du die KI nutzt, um dir sagen zu lassen, was du tun sollst, um Bestätigung zu holen, um dich im Kreis zu drehen, dann könnte es problematisch werden. Dann wird die KI zu einer Art Ersatzbeziehung, die dich von der echten Auseinandersetzung abhält. Aber wenn du die KI nutzt, um klarer zu werden, dann geht es um etwas anderes.

Es geht darum, mehr in Frieden zu kommen. Mit dir selbst und mit anderen. Und dieser Frieden ist nicht möglich, ohne dass wir uns selbst immer wieder kennenlernen, mit all unseren Widersprüchen und Mustern, mit allem, was da innerlich los ist.

Wo wir nicht wirklich im Frieden mit uns selbst sind, wo Unruhe ist, wo wir nicht innerlich gesetzt sind, sondern verstrickt in unsere Wünsche, Hoffnungen, Erwartungen und Enttäuschungen. Wenn wir da nicht hinschauen, funktioniert es auch in Beziehungen nur bedingt. Dann tragen wir all das mit uns herum und projizieren es auf die anderen. Dann reagieren wir nicht auf das, was wirklich passiert, sondern auf das, was in uns berührt wird.

Die Arbeit mit dir selbst ist die Grundlage für alles andere. Um mit dir selbst arbeiten zu können, ist das Dialogische, Direkte und Interaktive, das ein KI-Text-Tool bietet, ein sehr wirkungsvolles Instrument. Die KI ersetzt nicht das echte Gespräch, nicht die Reibung, die entsteht, wenn zwei Menschen wirklich miteinander ringen. Sie ersetzt nicht die emotionale Tiefe, die ein guter Coach oder eine gute Beraterin in einen Prozess bringen kann.

Aber sie kann dich vorbereiten. Sie kann dir helfen, hinzuschauen. Sie kann dich begleiten auf dem Weg, dich selbst besser zu verstehen. Und wenn das gelingt, wenn du durch die Arbeit mit der KI in der Lage bist, offener, ehrlicher, mitfühlender ins Gespräch zu gehen, dann ist sie ein gutes Werkzeug.

Es geht nicht um Ersatz. Es geht um Vorbereitung. Um Selbsterkenntnis. Um den Weg zurück zur inneren Ruhe, damit du dem anderen wirklich begegnen kannst.

Noch etwas: Die Frage nach den Daten und der Blick auf das große Ganze

Bevor wir zum Ende kommen, möchte ich noch etwas ansprechen, das vielleicht auch in dir arbeitet: Was passiert eigentlich mit den Daten? Und welche grundsätzlichen Risiken birgt eine so umfassende Nutzung von KI für unsere Zukunft? Das sind wichtige Fragen, denen wir uns stellen müssen.
Auch ich habe da verschiedene Seiten in mir:

Meine kritische Seite fragt: Machen wir uns nicht abhängig von den großen Tech-Firmen? Was wird vielleicht doch gespeichert, von dem eir nichts wissen?
Meine philosophisch-reflexive Seite denkt darüber nach, welche beabsichtigten und unbeabsichtigten Konsequenzen die Nutzung von KI-Technologie für unsere Zukunft haben kann. Verlieren wir vielleicht unsere Fähigkeiten, selbst zu denken? Geben wir nicht eigentlich das genuin menschliche auf? Und was ist das eigentlich?
Und meine neugierige, wissen-wollende Seite versucht, eigene Erfahrungen zu machen und sie abzugleichen mit dem, was mir wichtig ist.

Ich gehe so damit um, dass ich dran bleibe, mich informiere, ausprobiere und mit mir und anderen im Gespräch über diese Fragen bleibe.

Im Moment überwiegen bei mir zwei Gedanken: Zum einen, dass wir die neuen Technologien besser beurteilen können, wenn wir uns aktiv und bewusst damit auseinandersetzen. Zum Anderen sehe ich auch die Chance, dass wir mithilfe der KI Text-Tools wichtige Zukunfts-Fähigkeiten trainieren können: mit vielen verschiedenen Perspektiven auf eine Situation zu schauen und eine integrale Sichtweise einzunehmen.

Und ich habe eine stille Hoffnung, dass solche reflexiven Dialoge uns helfen können, friedensfähiger zu werden, indem wir uns selbst besser verstehen, nicht mehr so gepackt sind von den Emotionen und mehr in der Lage, auch andere Perspektiven zuzulassen.

Jede und jeder hat hier eigene Verantwortung. Wenn du diesen Artikel bis hierhin gelesen hast, bist du vermutlich sowieso interessiert, oder hast auch schon Erfahrungen damit gemacht.

Handhabe es mit den Daten so, wie du es für dich vertreten kannst, beziehungsweise wie du wünschst, dass andere es tun. Dich selbst reflektieren und erforschen kannst du auch mit verfremdeten Namen und Daten. Der Kern deines Themas ist davon ja nicht berührt. Frag dich bei jedem Vorgang, ob das etwas ist, das du so in die Welt geben möchtest.

Auch das ist für mich eine Art Selbstführung. Nicht nur in der Arbeit mit der KI, sondern auch in der Entscheidung, was ich ihr gebe und was ich für mich behalte.


Was du mitnehmen kannst

Wir haben einen weiten Bogen gemacht. Von der Klientin, die mir erzählte, was ihr ChatGPT gesagt hat, über meine eigenen Experimente, bis zu den Fallstricken wie der Bestätigungsfalle und dem Drama-Dreieck. Und vor allem zu den konkreten Möglichkeiten, wie du die KI nutzen kannst, um durch die verschiedenen Phasen eines Konflikts zu gehen.

Was bleibt? Die KI ist ein Werkzeug. Sie kann dich unterstützen, dich zu klären, Perspektiven zu finden, die dir fehlen. Aber sie nimmt dir nicht die Arbeit ab, die echte Auseinandersetzung erfordert. Was sie kann: dich vorbereiten. Und wenn du lernst, sie zu führen, übst du gleichzeitig, in schwierigen Situationen bei dir zu bleiben. Das ist der eigentliche Gewinn.

Denn, wenn du klarer bist, ruhiger, präsenter, kannst du dem anderen wirklich begegnen. Nicht mehr als Opfer, nicht mehr in der Defensive. Sondern als jemand, der bereit ist, hinzuschauen. Auch auf sich selbst.

Das echte Gespräch bleibt unersetzlich. Die Reibung, die Tiefe, die Begegnung von Mensch zu Mensch. Aber der Weg dorthin kann leichter werden, wenn du dich vorher mit dir selbst auseinandergesetzt hast.

Ich bin neugierig: Welche Erfahrungen hast du mit KI-Tools bei Konflikten gemacht? Was hat dir geholfen? Wo bist du an Grenzen gestoßen? Was hast du anders erlebt, als ich es hier beschrieben habe? Teile mir gerne deine Gedanken, Erfahrungen oder Zweifel dazu mit. Du kannst hier kommentieren oder mir persönlich eine E-Mail schreiben.

Der Austausch über diese Fragen liegt mir am Herzen, denn wir alle lernen gerade gemeinsam, wie wir mit diesen neuen Werkzeugen umgehen.


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Bildmaterial

Titel: Eigenes Material

Kerstin Pletzer

Konfliktcoach, Mediatorin & Supervisorin (DGSv)
Ich bin Kerstin, Jahrgang 1960, und beschäftige mich damit, Gespräche wieder möglich zu machen: über Belastendes, Übersehenes, Verdrängtes. Mich interessiert jedes Gesprächsformat – tiefgründig, alltäglich oder herausfordernd, am Küchentisch, unterwegs oder mitten im Arbeitsalltag. Für mich gehört ein gutes Gespräch zu den stärksten menschlichen Erfahrungen. Hier schreibe ich über das, was dabei hilft, Verständigung herzustellen und Verbindung zu halten.

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